Die Geschichte des Polizeiverein Hamburg

Die Idee

Warum hat eigentlich die Polizei Hamburg keinen Förderverein wie alle Schulen unserer Stadt? Das fragte sich Dirk Reimers, nachdem ihm Ende 1987als bis dahin in der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung als Senatsdirektor tätigem Verwaltungsjuristen das Amt des Polizeipräsidenten der Freien und Hansestadt Hamburg übertragen worden war. Was ein Schulverein für eine Schule an Unterstützung leisten kann, müsste sich doch auch für die Polizei organisieren lassen!

Die Polizei hat besondere Aufgaben, zu deren Erfüllung sie ein Grundvertrauen der Bevölkerung braucht. Sie muss zum Schutz der Rechtsordnung hoheitlich in Rechte von Bürgerinnen und Bürgern eingreifen. Deshalb muss sie ihr Verhalten auch besonders erklären und Verständnis wecken und Vertrauen zu erhalten.
Verständnis wächst aus Kenntnis. Deshalb müssen sowohl die Polizei als auch die Öffentlichkeit daran interessiert sein, die jeweiligen Probleme, Bedürfnisse und Entwicklungstendenzen zu erfahren. Die Polizei muss z.B. gesellschaftliche Trends möglichst frühzeitig erkennen, um die Folgen zu verstehen. Schließlich wird sie mit ungelösten Problemen der Gesellschaft immer als erstes konfrontiert. Und die Bevölkerung muss wissen, warum die Polizei in bestimmten Situationen sich in bestimmter Weise verhält. Ein Polizeiverein kann das gegenseitige Verständnis unterstützen.

Darüber hinaus gibt es in der Polizei ebenso wie bei Schulen immer eine Menge hilfreicher Ideen, für deren Verwirklichung im öffentlichen Haushalt keine oder nicht ausreichende Mittel zur Verfügung stehen. Geld annehmen darf die Polizei nicht, selbst wenn es aus lauteren Motiven angeboten wird. Für Leistungen aus dem allgemeinen Budget des Polizeivereins braucht sich die Polizei aber bei niemand zu bedanken. Ähnlich wie die soziale Hilfskasse der Polizei unterbricht der Polizeiverein die Verbindung zwischen Spendern und Empfängern.

Von der Finanzierung ihrer Kernaufgabe aus öffentlichen Mitteln darf der Polizeiverein die Polizei aber nicht entlasten. Als gemeinnützige Institution im Sinne des Steuerrechts muss sich der Polizeiverein im Rahmen der steuerbegünstigten Zwecke bewegen. Darüber hinaus würde es auch keinen Sinn machen, wenn erst der Polizeiverein z.B. die Wände in einem Polizeikommissariat streicht und dann die Finanzbehörde die Haushaltansätze für Bauunterhaltung.

Die Gründung

Die Idee zur Gründung des Polizeivereins Hamburg e.V. entstand 1988 und wurde vom Polizeipräsidenten am 10. Januar 1989 in einem Vortrag über aktuelle Probleme der Polizei erstmalig öffentlich erwähnt. Das Echo war enorm. Der Polizei wurden zahlreiche Sachspenden angeboten, vor allem die damals begehrten modernen Schreibmaschinen. Eine Boulevardzeitung titelte auf Seite eins „Polizei geht betteln“ und in einer Rundfunkglosse wartete ein fiktiver Polizeiführer mit dem Zugriffsbefehl so lange, bis Werbeflächen mit der Aufschrift „Diesen Einsatz sponsert Coca Cola“ ins Bild gerückt wurden.
In der Bürgerschaft stellte Herr Vahldieck eine Kleine Anfrage. Die Deputation der Behörde für Inneres diskutierte den Fall und zeigte sich nach Diskussion des Satzungsentwurfs von der Idee angetan. Wenige Tage später wurden alle Mitarbeiter der Polizei mit der „internen Information Nr. 126“ ausführlich über die Vereinsidee informiert. Es dauerte aber noch Monate, bis alle Ängste und Missverständnisse beseitigt und die Zustimmung der Behördenleitung zur Gründung des Polizeivereins erreicht werden konnten. Am 26. Juni 1991 wurde der Polizeiverein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hamburg als unabhängiger, überparteilicher Verein mit dem Zusatz „e.V.“ eingetragen und am 9. August bestätigte das Finanzamts für Körperschaften die Gemeinnützigkeit.

Satzungszweck des Vereins ist im Rahmen der steuerbegünstigten Zwecke der Abgabenordnung u.a. die Förderung von Bildung und Erziehung auf allen Gebieten der öffentlichen Sicherheit einschließlich des besseren Verständnisses gesellschaftspolitischer und polizeilicher Entwicklungen, des Präventionsgedankens und der Fortbildung auf nationaler und internationaler Ebene sowie der Kultur, des Sports, der Völkerverständigung und der Unterstützung von Angehörigen der Polizei.
Von Anfang an waren u.a. die Unterstützung des Polizeiorchesters Hamburg und der Aufbau eines Polizeimuseums ausdrücklicher Satzungszweck.

Die ersten Mitglieder kamen je zur Hälfte aus der Polizeiführungsrunde und dem außerpolizeilichen Bereich. Auf eine forcierte Mitgliederwerbung wurde verzichtet, weil der Verein ohne eigenes Innenleben nur durch seine Projekte wirken sollte.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand wurde zunächst von dem pensionierten Polizeibeamten Gerhard Adrian geleitet. Am 29. März 1993 wählte die Mitgliederversammlung den damaligen Staatsrat der Behörde für Inneres, Dirk Reimers, der bis heute die Leitung innehat. Der jeweilige Polizeipräsident ist nach der Satzung optionales Vorstandsmitglied. Alle Polizeipräsidenten haben von dieser Option Gebrauch gemacht.

Der Polizeiverein finanziert sich im Wesentlichen durch Spenden, die ihm frei oder zweckgebunden für einzelne Handlungsfelder wie z.B. die Aus- und Fortbildung oder die Betreuung verletzter Beamter zufließen.

Das Wirken des Polizeivereins Hamburg e.V.

Am Anfang wurden dem Polizeiverein vielfach Schreibmaschinen und die Finanzierung von Schutzwesten für Polizeibeamte angeboten, was er aus genannten Gründen nicht akzeptieren konnte. Schnell gab es aber auch Geldspenden zur freien Verfügung innerhalb der satzungsmäßigen Aufgaben.
Das erste Geld investierte der Polizeiverein in Fußballstiefel für Asylbewerber, damit im Rahmen des Ratsherrencups 1991 eine Mannschaft von ihnen gegen eine Polizeimannschaft spielen konnte. Dann folgten Projekte auf allen Satzungsfeldern.

Hier ein paar Beispiele aus den bis heute andauernden Aktivitäten:

Nach dem Motto „Verständnis folgt aus Kenntnis“ unterstützt der Polizeiverein vielfältige Gesprächsmöglichkeiten zwischen der Polizei und der Öffentlichkeit. Die Spannbreite reicht vom Kinderfest am Osdorfer Born über Tage der offenen Tür von Polizeidienststellen einschließlich des MEK und der Bereitschaftspolizei bei deren öffentlichen Jubiläen bis zur Gedenkveranstaltung des örtlich zuständigen Polizeireviers für die Kinder vom Bullenhuser Damm.
In diesen Zusammenhang gehören auch Präventionsveranstaltungen wie Fußballspiele mit schwierigen Jugendlichen, regionale Programme gegen Jugendgewalt, Drogen oder Graffiti, die Erstellung eines Präventionsfilmes „Gemeinsam gegen Gewalt“ sowie Präventions- und Sicherheitstage. Herausragend waren 1994 die Bereitstellung eines Präventionsbusses als „Rollendes Revier“, 1997 die große Aktion „Wer nichts tut, macht mit“, für die der Polizeiverein mit dem „Effi-Award“ ausgezeichnet wurde und 2001 die Einrichtung eines Jugendkellers bei der Stiftung Alsterdorf auf Anregung des zuständigen „Bürgernahen Beamten“. Als jugendliche Fußballer und Basketballspieler im Lohmühlenpark 2001 um die Nutzung des einzigen Sportplatzes stritten, initiierte der Polizeiverein auf Anregung des polizeilichen Jugendbeauftragten den Neubau eines zweiten Platzes. In der Polizeishow bieten Polizei und Polizeiverein in jedem Oktober als nachhaltige Vertrauenswerbung für die Polizei eine werbewirksame Unterhaltung von Polizisten und internationalen Gästen für die ganze Familie an.

Der Polizeiverein unterstützt die Polizeiverkehrslehrer: z.B. mit der „Aktion Kleinkind“ bei Schulanfängern, stellte Tausende von „Verkehrsfuchs-Maskottchen“ bereit, rüstete an der Gesamtschule Horn eine Steeldrum- und eine Gitarren-Gruppe aus und unterstützte schulische Musical-Aufführungen. An der Landespolizeischule finanzierte er Englisch- und Polnisch-Unterricht, versorgte die Wasserschutzpolizeischule mit Lern- und Freizeitmaterial, unterstützte Reisen nach Auschwitz und Lublin, Seminare in Bramshill und New York, internationale polizeiliche Austauschprogramme und vielfältige polizeiliche Sportprogramme im In- und Ausland. In der Reihe „Polizei im Gespräch“ mit prominenten Referenten ging es z.B. um „Werte“ und Unternehmensethik, Strategien der Polizei in New York und der „Mounties“ in Kanada sowie um gesellschaftspolitische Entwicklungen.

Mit seinem Programm für im Dienst verletzte Beamte und ihre Familien stellte der Polizeiverein allein nach den Dezemberkrawallen 2013 einen Betrag von 21.000 Euro zur Verfügung. Er engagierte sich bei Trauerfällen und für den Gedenkstein für einen im Dienst getöteten Polizisten, bewirkte eine Gesetzesänderung auf Bundesebene zur besseren Versorgung verletzter Beamter nach Dienstunfällen und sammelte für Polizeiwaisen. Nach dem 11. September 2001 lud der Polizeiverein 60 Angehörige getöteter Polizeibeamter aus New York nach Hamburg ein und betreute sie dreimal eine Woche lang bei einem Hamburg-Programm.

Das Polizeimuseum

Seit die Polizei Hamburg über eine gelegentlich auch „Polizeimuseum“ genannte Lehrmittelsammlung verfügt, haben Einzelne in der Polizei von einem richtigen Museum geträumt. Ideen gab es viele, Konzepte keine und konkrete Ergebnisse schon gar nicht.
Der Polizeiverein Hamburg e.V. nahm schon 1988 den Aufbau eines Polizeimuseums in seine Satzungsziele auf, aber auch er hatte nicht die Finanzmittel für ein professionelles, inhaltlich und museal ansprechendes Konzept, die danach zu bauende Ausstattung und für den laufenden Betrieb. Das größte Problem war aber das Fehlen geeigneter Räume. Bei der Kriminalpolizei suchte Herr Salgmann mit großem Einsatz nach Lösungen und schlug 1998 das Gebäude Hühnerposten am Hauptbahnhof vor, dann das Maizena-Haus am Berliner Tor. Beides ließ sich nicht realisieren.
Der Polizeiverein schloss 1999 einen Optionsvertrag mit der HHLA über zwei Böden der Speicherstadt ab, bat die Polizei als möglichen Betreiber um ein Grobkonzept und schloss einen Vertrag mit einem externen Gestalter. Das Ergebnis war enttäuschend. Die Polizei lieferte kein Konzept, der Gestalter keine brauchbaren Ideen und der Polizeiverein hatte nicht genügend Geld, glaubte aber unerschütterlich an das Museum und schuf dafür weiterhin „Bausteine“: So bürgte er 1993 für die Ausstellung „100 Jahre Kriminalmuseum“ auf der Cap San Diego, übernahm 1997 in Kooperation mit Finanzbehörde und Museum der Arbeit die Spitzenfinanzierung für das ausgemusterte Unterelbestreifenboot „Elbe 1“, ließ sich als Schutz gegen weiteren Verkauf eine Schiffshypothek eintragen und half dem Museumsschiff später auch bei Großreparaturen und im täglichen Betrieb.
Er übernahm die Restauration des historischen „Polizei-Käfers“, unterstützte 2000 eine Polizeiausstellung in der Springer-Passage und 2001 die Ausstellung „125 Jahre Kripo Hamburg“ und er bildete eine Rückstellung für das Polizeimuseum in Höhe von 400.000 DM.

Der Durchbruch kam im Jahr 2006: Nach veränderten räumlichen Bedarfen sicherte Andreas Koppehel als erfahrener Verwaltungschef der Polizei mit Zustimmung des damaligen Polizeipräsidenten Werner Jantosch das frei gewordene, aber heruntergekommene Wirtschaftsgebäude der Landespolizeischule für das Museumsprojekt. Das Gebäude wurde unter Berücksichtigung der Museumsbedarfe von der Hamburgischen Immobilien Managementgesellschaft (impf) als Eigentümerin einfühlsam grundrenoviert. Der Polizeiverein schloss mit dem Büro Malsy-Teufel 2008 einen Vertrag über ein Grobkonzept für das Museum und finanzierte die Ausstellung „Ein Polizeimuseum für Hamburg“ im Leo-Lippmann-Saal der Finanzbehörde. 2009 lag ein überzeugendes Grobkonzept vor und die Bürgerschaft beschloss einen Zuschuss für das auf ca. eine Million veranschlagte Projekt in Höhe von 350.000 Euro. Anfang 2010 erhielten die graphischen Werkstätten Feldstraße (gwf) den Auftrag für die erste Stufe des Feinkonzepts und schon zum Jahresende entstand im Dachgeschoss die von Studio Hamburg gebaute, eindrucksvolle Installation von acht spektakulären Kriminalfällen. Erwartung und Zuversicht wuchsen. Die Folgeaufträge für das Feinkonzept wurden erteilt, der Finanzplan wurde verbindlich festgeschrieben, ein wissenschaftlicher Beirat von profilierten Historikern eingerichtet und im Jahr 2012 sollte die Eröffnung sein.

Aber dann wurde es zäh. Die ersten Gestaltungsentwürfe erzeugten Ratlosigkeit. Die Neuplanung überzeugte, musste aber mühsam dem Kostenrahmen angepasst werden. Bei der jüngsten Polizeigeschichte mussten die verschiedenen Annahmen von polizeifernen Historikern mit den Erfahrungen von Zeitzeugen in Einklang gebracht werden. Polizei und Polizeiverein mussten dem wahrheitswidrigen und böswilligen Vorwurf bestimmter Politiker und Medien entgegentreten, belastende Teile der Polizeigeschichte sollten ausgespart werden und ständig drohten neue Kosten.

Die Polizei war mit dem Fangen von Verbrechern und mit anderen Kernaufgaben beschäftigt, zu denen sie das Museum nicht zählte, so dass sich dafür niemand wirklich verantwortlich fühlte. Das alles kostete Zeit, Geld und Nerven – auch und besonders bei den ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern des Polizeivereins. Der Eröffnungstermin musste mehrfach verschoben werden.

Es gab aber auch schöne Momente. 2012 konnte der Polizeiverein mit einer kurzfristigen Kraftanstrengung die Ausstellung an Bord der Rickmer Rickmers zum 225jährigen Bestehen der Wasserschutzpolizei ermöglichen. Mit 85.000 Euro wurden eine Historikerin, die Ausstellung und ein Imagefilm über die WS finanziert – auch dies als Baustein für das Polizeimuseum. Insgesamt hat der Polizeiverein dann mehr als 840.000 Euro für das Polizeimuseum bereitgestellt, sein bisher größtes Projekt.

In dem Ringen um die Fertigstellung des Polizeimuseums gab es viele gegen Bezahlung oder ehrenamtlich am Erfolg Beteiligte, aber einen stillen Helden, ohne den das Museum nicht hätte realisiert werden können: es ist der ehrenamtlich tätige Schatzmeister des Polizeivereins Hamburg, Andreas Koppehel. In den schwierigen Jahren von 2010 bis heute führte er nahezu täglich Gespräche z.B. mit der gwf, den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Museums, allen weiteren Vertragspartnern, mit Behördendienststellen und mit der Polizei. Das jetzt eröffnete Museum ist vor allem sein Verdienst – aufbauend auf einem breiten Fundament von Geld-, Zeit- und Ideengebern.

Das Polizeimuseum ist ein Geschenk an alle, die sich für unser Staatswesen interessieren. Es ist auch ein Hinweis an die Polizei, sich der jahrhundertelangen Entwicklung dieser Institution bewusst zu sein und sich nicht auf ihre „110-Einsätze“ reduzieren zu lassen. Das Schicksal des Museums liegt in ihren Händen. Das Museum muss ständig weiter entwickelt werden. Noch sind viele Wünsche offen. Wenn alle mitmachen, kann auch der Polizeiverein weiter helfen.